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An dieser Stelle finden Sie jede Woche eine kleine thematische Auswahl kurzer Dokumentationen zu künstlerischen Arbeiten, im öffentlichen Raum mit wechselndem Fokus. Es sind spannende Einblicke und mitunter wunderbare Zeitzeugnisse, denen man das Alter auch manchmal durchaus anmerkt. Begeben Sie sich auf einen filmischen Rundgang durch die Geschichte der Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich!

II. Erinnerungskultur
Seit mehr als dreißig Jahren bemüht sich Kunst im öffentlichen Raum zusammen mit Gemeinden und Vereinen, eine aktive Erinnerungskultur mit den Mitteln der Kunst zu fördern. In Niederösterreich sind so zahlreiche künstlerische Einzelprojekte, kuratierte Gruppenprojekte sowie temporäre Installationen und Plakate im öffentlichen Raum realisiert worden.

Der zweite filmische Schwerpunkt führt an Orte mit Geschichte. Beginnend mit dem Museum ERLAUF ERINNERT, das 2015 als kollektiver Erinnerungsort zur kritischen Reflexion des Nationalsozialismus mit den Mitteln der Kunst eröffnet wurde, zeigen wir kurze Dokumentationen von künstlerischen Projekten, die dunkle Aspekte der Vergangenheit und historische Zäsuren reflektieren. Bisweilen entstehen aus dem Blick zurück Angebote für das gesellschaftliche Miteinander von heute. Auch auf tief verwurzelte religiöse Fragestellungen lassen sich zeitgenössische Antworten finden.

Fokus II/3: Grenzen
Der dritte Fokus beleuchtet den künstlerischen Umgang mit Grenzen. Der heutige Truppenübungsplatz Allentsteig war bereits Thema von drei künstlerischen Arbeiten. VALIE EXPORT, Ricarda Denzer und Maruša Sagadin thematisieren mit unterschiedlichen Schwerpunkten die Geschichte der Vertreibung der Menschen von dem Gelände des größten Truppenübungsplatzes Österreichs, im Zuge derer von 1938 bis 1941 über 7.000 Menschen aus 40 Dörfern das Zuhause, ihr bisher gekanntes Leben, ihre Identität genommen wurde.
Fratres dagegen befindet sich unmittelbar an der Landesgrenze zu Tschechien, über Jahrzehnte also mit Blick auf den Eisernen Vorhang. Der ehemalige Grenzposten ist Ort einer sich bereits seit über 10 Jahren fortsetzenden Auseinandersetzung des Künstler*innenpaares Iris Andraschek und Hubert Lobnig in Zusammenarbeit mit mehreren internationalen Künstler*innen zu Fragestellungen über physische Grenzen, deren Entstehen, Verschwinden und Veränderung. Das hier gezeigte Video dokumentiert die erste Erweiterung 2014 der ursprünglichen Installation.


VALIE EXPORT, Landschaftsmesser, Erinnerungsstätte am Stadtsee in Allentsteig, 1999


Mit dem Landschaftsmesser schneidet die Künsterlin förmlich in den See in Allentsteig ein, in dessen metallenen Flächen sich Sonne und Wasser spiegeln. Neben dem Objekt steht eine Glasstele mit dem Namen der ausgesiedelten Dörfer und Gehöfte auf dem Gebiet des heuteigen Truppenübungsplatzes. Wie die damaligen Ereignisse der Aussiedelung ein dramatischer Einschnitt in das Leben jedes einzelnen waren, so setzt VALIE EXPORT ein Zeichen als Ausdruck tiefer Betroffenheit und lässt einen Ort der öffentlichen Kommunikation entstehen. (…)

Ricarda Denzer, Zeichen für den Stadtberg in Allentsteig, 2003-2005


Die Künstlerin hat auf dem Stadtberg von Allentsteig ein eigens konstruiertes Periskop installiert, mit dem man über Kirchturm, Schloss und Kaserne hinweg die um den Ort liegende Landschaft als Panoramabild betrachten kann. Den Hintergrund der Arbeit bildet die Migrationsgeschichte des Ortes, deren Auswirkungen sich in Form einer starken Abwanderung bis in die Gegenwart ziehen. (…)

Marusa Sagadin, Treppe – Bühne – Tribüne. Der liegende Abdruck., 2019


Seit mehreren Jahren bemüht sich Gerhard Schneider, Abschnittsachbearbeiter der Feuerwehrgeschichte, um die Aufarbeitung der Geschichte von rund 16 vergessenen Feuerwehren des Truppenübungsplatzes Döllersheim (heute Allentsteig). Im Zuge eines geladenen Wettbewerbs von Kunst im öffentlichen Raum sollte den vergessenen Feuerwehren ein Andenken gesetzt werden. Maruša Sagadin erweiterte den Denkmalgedanken in die Gegenwart und errichtete eine Art Tribüne, die nicht nur an die einzelnen Gruppen erinnert, sondern auch auf die zahlreichen Einsatzbereiche Bezug und die Bedeutung der Freiwilligenarbeit nimmt. Vor allem macht die künstlerische Intervention den Platz bei der Freiwilligen Feuerwehr zu einem neuen Treffpunkt und stellt unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten in den Raum. (…)

Iris Andraschek, Hubert Lobnig, Wohin verschwinden die Grenzen, Fratres, 2009/2015


Sichtbare Grenzen werden innerhalb der Europäischen Union nach einem festgelegten Zeitplan abgebaut und verschwinden – zumindest scheinbar. Entsprechend paradox ist der Satz "Wohin verschwinden die Grenzen?". Würden sie wirklich verschwinden oder müssten wir nicht fragen, wohin sie wandern: einerseits an die EU­Außengrenzen, wo sie in sehr ähnlicher Erscheinungsform – als Stacheldrahtzäune, Absperrungen, Mauern, strenge Personen­ und Warenkontrollen etc. – wieder auftauchen, andererseits weg von der Grenze in das Land hinein in (überwachte und eingezäunte) Siedlungen, in Diskussionen und Maßnahmen zu Sicherheit, Migration, Aufenthaltsrecht etc. (…)
Informationen zur zweiten Fortsetzung 2019 ...


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