INVENTOUR 2019
Lunz am See – direkt durch Lunz durch

Hintergrund
Die letzte INVENTOUR im Oktober führte nach Lunz am See. Anlass war das von Florian Pumhösl geplante Mahnmal zum ehemaligen HJ-Heim, das im Gebäude des heutigen WasserClusters in Lunz untergebracht war. Mit dem Mahnmal, das 2020 fertig gestellt wird, möchte der Wasser- Cluster auf die Geschichte des Gebäudes als ehemaliges Hitlerjugend Heim aufmerksam machen. Florian Pumhösl gibt in seiner Gestaltung des Mahnmals ein Fragment des Stimmzettels für die Wahl des „Großdeutschen Reichstags und die Volksabstimmung zur Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ am am 10. April 1938 wieder. Mit dem auf Initiative des Wasser- Clusters geplanten Mahnmal wird auf die Gefahr der Aushebelung demokratischer Prinzipien in einer Gesellschaft verwiesen.

Geradewegs
Ein gelungener Schlusspunkt der INVENTOUR war der Workshop mit Schüler*innen der NMS Lunz. Eine gerade Linie wurde durch den Ort (von Nord nach Süd) gezogen und dieser mit den Schüler*innen nachgegangen. Unerwartetes, Neues, Ungewohntes erlebten die Schüler*innen auf diesem ungewöhnlichen Weg durch ihre vertraute Stadt. Sie mussten alleine und in der Gruppe aktive und bewusste Entscheidungen treffen, die sie auch laufend diskutierten. Der Workshop, den Gerald Straub mit Barbara Hoelbling vom Künstlerduo hoeb/hoelb in der NMS Lunz durchführte, machte den Umgang mit „Alltagsentscheidungen“ - von Gebrauchsgegenständen (warum haben wir alle die gleichen Hausschuhe?) bis hin zu „wer macht was zum Trend?“ (von Computerspielen bis zu tiktok) bewusst.

Entscheidungen treffen
Am Nachmittag waren auch die Erwachsenen zu einer Durchquerung von Lunz eingeladen (von West nach Ost). So wurde in einer weiteren dreistündigen Exkursion das Dorf erforscht, mit Passant*innen auf dem Weg gesprochen, soziale Zusammenhänge hergestellt und immer wieder gemeinsame Entscheidungen getroffen. Mit Kreidespray wurde der Weg markiert, Wollfäden wurden zusammengeknotet und als erkennbare Spur gelegt.
Beim abschließenden Erzählcafé kamen Einwohner*innen aus Lunz zusammen, um Geschichten über wichtige Entscheidungen im Leben zu hören und selbst zu erzählen. Waren wir immer in der Lage zu entscheiden? Haben heutige Generationen mehr individuelle Möglichkeiten, Entscheidungen zu treffen?






Wann: 10., 11. und 12. Oktober 2019
Wo: Lunz am See
Wer: Johanna Reiner, Barbara Hoelbling, Gerald Straub, Gert Dressel
Was: Workshop, Touren, Erzählcafé


Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung und die wichtigen Informationen bei: Suzie Heger (ehem. Intendantin Wellenklänge), Thomas Hein, Romana Hödl und Gabriele Weigelhofer (WasserCluster Lunz), Thomas Holzgruber, Eva Maria Käfer und Christian & Lore Pechhacker (NMS Lunz am See), Josef Schachner (Bürgermeister), Thomas Weber (Amtsleiter Gemeinde), Pierre Paionni (Pizzeria Chez Pierre), Inge Wurzer (Ybbstaler Hütte)

„Mir fällt nur ein, dass ich bis zum 14. Lebensjahr keine eigenen Entscheidungen treffen konnte. Ich hab leider nicht entschieden, weiter in die Schule zu gehen, obwohl ich das lieber wollte. Zu einem gewissen Zeitpunkt kam von meinen Eltern nur die Frage, was lernst du jetzt? Ich wollte dann Automechanikerin werden. Das ging damals auch nicht. Es waren die 60er Jahre, wo ein Mädchen noch nicht so leicht den Beruf, den sie wollte, lernen konnte.“
Inge Wurzer, Hüttenwirtin Ybbstaler Hütte

„Sich gegen Normen aufzulehnen, das war zu meiner Zeit viel zu gefählich, da hat’s Watschen gegeben. Und Entscheidungsfreiheit, diese Offenheit hat es nicht gegeben. Du hast nach der Matura Psychologie, Medizin, Jus und Wirtschaft studieren können. Was ist das für eine Wahl? Es ist ein Wahnsinn, was du heutzutage alles machen kannst. Auslandsaufenthalt war nicht einmal denkbar damals. Mehr Wahlfreiheit ist auch wieder schwierig. Aber es ist wirklich anders heute."
Teilnehmerin Erzählcafé

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