What can be done? - Praktiken der Solidarität

© Anna Jermolaewa, Welt am Draht, Postkarte, Traiskirchen, 2022


Anna Jermolaewa, Eröffnung Traiskirchen (c) Joanna Pianka



© Anna Jermolaewa, Research for Sleeping Positions, Videostill, Traiskirchen, 2022


Anna Jermolaewa (1 + 5)
*1970 in St. Petersburg (RU), lebt in Wien

Welt am Draht, 2022
Postkarte (1)

Standorte: Im Rathaus, an den Infopoints und weiteren Stellen in der Stadt ausliegend.

Telefonzellen waren einst ein zentrales Kommunikationsinstrument, heute sind von ihnen nur mehr wenige übrig. Einige wurden zu Bücherzellen umgewandelt, andere zu kleinen Ausstellungsorten oder E-Tankstellen modifiziert. Telefonzellen sind heute Objekte einer vergangenen Zeit.
Von den sechs Telefonzellen aus, die sich auf dem Gelände des Erstaufnahmezentrums befinden, werden die meisten Auslandsgespräche in ganz Österreich geführt. Anna Jermolaewa war selbst 1989 als politisch Geflüchtete aus der damaligen Sowjetunion im Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen untergebracht. In der Arbeit Welt am Draht setzt sich die Künstlerin mit ihrer eigenen Biografie auseinander: Die Telefone wurden während ihrer Zeit in Traiskirchen von ihr genutzt, um ihre Familie zu kontaktieren. Für die Künstlerin stellten sie damals eine Verbindung zu ihrem Leben vor der Flucht dar. Heute, über 30 Jahre später, werden sie zu einem Readymade, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, jedoch eine starke Symbolik innehat, denn auch wenn sie von der Straße aus sichtbar sind, können sie von Außenstehenden nicht besichtigt oder benützt werden, denn das Betreten des Geländes des Erstaufnahmezentrums ist für Besucher*innen streng verboten.

Research for Sleeping Positions, 2006 (5)
Video, 16 min, 52 sec

Standort: Bahnhof der Badner Bahn, Station: Traiskirchen Lokalbahn

Nach ihrer Ankunft in Wien als politisch Geflüchtete verbrachte Anna Jermolaewa eine Woche auf einer Bank am Wiener Westbahnhof, bevor sie im Erstaufnahmezentrum Ost untergebracht wurde. In ihrer Arbeit Research for Sleeping Positions bezieht sie sich auf eine Situation, in der sich viele Geflüchtete wiederfinden. Sie versucht, sich während der Flucht auf einer Bank auszuruhen, zu schlafen. Der Ort ist denkbar unpassend zum Verweilen, sie ändert permanent ihre Position und findet keinen Schlaf. Sie demonstriert die Unmöglichkeit, an diesem Platz innezuhalten, zielt doch auch die Gestaltung des Sitzobjekts darauf ab, bestimmten Bevölkerungsgruppen einen längeren Aufenthalt unmöglich zu machen und diese aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen.
Der Westbahnhof ist ein Ort, an dem bereits seit Jahrzehnten Geflüchtete ankommen. Als 2015 Sonderzüge mit Geflüchteten eintreffen, ziehen viele weiter, andere bleiben, sie folgen Annas Jermolaewas Weg mit der Badner Bahn ins Erstaufnahmezentrum Traiskirchen.




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