SUPER NATUR
Mit Arbeiten von:

Ilona Németh, Grandstand 8, Greetings from Ringelsdorf-Niederabsdorf for Bruce Nauman, 2022, Installation

Christina Gruber, Shapeshifters, 2022
Interaktive Audioskulptur und Intervention

Barbara Kapusta, Futures, 2022
Augmented-Reality-Installation

Katrin Hornek, Postindustrial Creatures, 2022/23
Gespräch, essbare Vogelskulpturen; Installation 2023

Bis 2023 werden weitere Positionen zwischen Marchegg und Hohenau/March umgesetzt.



Tour d'ICT, (c)Tomáš Prištiak und Michael Plessl


Tour d'ICT, (c)Tomáš Prištiak und Michael Plessl


Tour d'ICT, (c) Jonathan Dellago, Celestina Minichová


„Die Zeiten der Dringlichkeiten brauchen Erzählungen!“ (Donna Haraway)

Kooperationen und Kollaborationen sind Schlüsselbegriffe für das Überleben der Menschheit. Gemeinschaftsförmige Praktiken, Fürsorge, die Anrufung von Gemeinsinn und die Neukonfiguration historischer Konzepte, die Auseinandersetzung mit der Komplexität von Grenzen und deren Überwindung, unser Verhältnis zur Natur und zur virtuellen Welt sowie alternative Formen der Mobilität wie Fahrradfahren: All das sind Themen und Inhalte des von Alexandra Berlinger, Ursula Maria Probst und Martin Wagner kuratierten Projektes SUPER NATUR. Der erste Teil der künstlerischen Interventionen am „Iron Curtain Trail“ wird mit dem Performanceprogramm FLUTEN in Ringelsdorf an der March eröffnet.
Anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Niederösterreich“ werden 2022/2023 entlang des „Eurovelo 13“ („Iron Curtain Trail“) von Hohenau bis Marchegg erstmals permanente und temporäre künstlerische Installationen realisiert, die auf die Natur sowie die ökologische und ökonomische Geschichte dieses besonderen Landschaftsraums eingehen. Die permanenten Projekte werden durch temporäre Interventionen, Augmented-Reality-Interaktionen, Performances, Bespielungen, Workshops und Talks ergänzt, um im ökopolitisch zunehmend attraktiven Zusammenspiel von Fahrrad, Landschaft, Geschichte und Kunst unterschiedlichste Impulse zu setzen.

Der östlichste Teil Niederösterreichs ist von einer einzigartigen Naturlandschaft geprägt, den Marchauen, für die sich Umweltinitiativen vor Ort seit Jahren engagiert einsetzen, aber auch von seiner Geschichte als Grenze zum „Osten“ hin. Der sogenannte „Eiserne Vorhang“, der in dieser Region zu einem großen Teil die Form einer natürlichen Grenze hatte, dominierte nicht nur von 1955 bis 1989 diese Region, sondern schrieb sich nachhaltig in das Leben und die Landschaft ein. Die Auswirkungen waren nicht nur für die jeweiligen Bevölkerungen eine leidvolle Erfahrung, sondern beeinflussten auch die dort ansässige Tier- und Pflanzenpopulation.
Das Erleben von Grenzen und Grenzüberwindungen prägen unsere Erfahrung von Welt. Diese wird durch Einwirkungen wie den derzeit in Europa tobenden Ukrainekrieg verstärkt. Um den Gemeinschaftsgedanken und den transkulturellen Austausch in der Grenzlandschaft zwischen Österreich und der Slowakei zu intensivieren, fand im Juni 2022 als Prolog des Projektes die „Tour d’ICT“ als bilaterale Fahrradperformance von Kunst-Studierenden aus Bratislava und Wien stattt.

In der Kunst, in der Grenzforschung und in kritischen räumlichen Praktiken zur Verteilung von Ressourcen gibt es eine lange Geschichte, die sich der transformativen Kraft und der Produktion alternativer Imaginarien bedient, um die gelebte Realität, die Wahrnehmung von Grenzen und dem, was sie definieren, neu zu gestalten. Deshalb sind wir auch an der Frage interessiert, wie Augmented Reality und Fiktionalität für Prozesse der Bewegung in „Grenzlandschaften“ einsetzbar sind.

In traumatischen Zeiten wie den unseren, in denen die Wirklichkeit sich selbst verzerrt, bedeutet die Bewusstwerdung der Unauthentizität des sogenannten Realen, diese Wirklichkeit neu zu interpretieren.

Wir beschäftigen uns mit Blick auf die lokalen Bedingungen mit dem von der Physikerin Karen Barad geprägten Begriff der „Intra-Aktion“, der sich auf miteinander in Beziehung stehende Akteur*innen aus der Welt der Tiere, Menschen und Pflanzen konzentriert, lassen uns von der Performing-Borders-Plattform und dem Topological Atlas inspirieren. Kurz gefasst kann „Intra-Aktion“ (im Unterschied zu Bruno Latours Akteur*innen-Netzwerk oder von Donna Haraways Konzept des „situierten Wissens“) beschrieben werden als die sich wechselseitig beeinflussende Beschaffenheit von verflochtenen Handlungsfähigkeiten oder Wirkungsmächten (agency) von Materie. Im Dialog mit Betroffenen und Künstler*innen erforschen wir die Produktion visueller, akustischer, performativer, greifbarer Gegengeografien von Grenzen, die auch eine Erfahrung des bislang Undokumentierten zulässt.
SUPER NATUR behandelt in der Folge die vielschichtige Komplexität von Grenzen, von der geopolitischen, ökonomischen und ökologischen bis zur sozialen Praxis, der kulturellen Produktion und des Naturraumes an und über der Grenze ebenso wie die mit der Klimafürsorge einhergehenden Aspekte des „Radical Care“ in einem sich derzeit verändernden weltpolitischen Kontext.

FLUTEN (die Flut), der Titel des Performanceprogramm des ersten Teils von SUPER NATUR, ist hier ein Sinnbild für die Veränderbarkeit von festgelegten Grenzen und deren Überwindung durch Kunst und kooperative Kulturarbeit.

(Ursula Maria Probst, Alexandra Berlinger, Martin Wagner)




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