Katrin Plavčak "Kommt der Komet oder kommt er zu spät?" Gansbach, 2018 © Katrin Plavčak
Katrin Plavčak "Kommt der Komet oder kommt er zu spät?" Gansbach, 2018 © Katrin Plavčak
© Katrin Plavčak "Kommt der Komet oder kommt er zu spät?", Gansbach, 2018, Foto: Stefan Lux
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© Katrin Plavčak "Kommt der Komet oder kommt er zu spät?", Gansbach, 2018, Foto: Stefan Lux
© Katrin Plavčak "Kommt der Komet oder kommt er zu spät?", Gansbach, 2018, Foto: Stefan Lux
 

katrin plavčak


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Kommt der Komet oder kommt er zu spät?



Aus dem großen Fundus reizvoller Sprüche und Reime des Popstars Falco wählte die Künstlerin Katrin Plavčak die Zeile Kommt der Komet oder kommt er zu spät als Titel ihres Denkmals, das seit dem Juni 2018 als dreiteilige Szenenplastik in Gansbach im Dunkelsteiner Wald auf dem neu geschaffenen Falco-Platz steht. Die scheinbare Wortverwandtschaft zwischen „kommt“ und „Komet“ sowie der Reim auf „spät“ hatten es Falco sicherlich angetan. Er, der in den 1980er-Jahren den Wiener Schmäh in den Rap und Funk übersetzte und sich an die Spitzen der internationalen Musikcharts katapultierte, beherrschte jedes Sprachspiel. Doch in Plavčaks Szenenbild ist der Komet längst eingeschlagen, und zwar knapp neben der vier Meter hohen abstrakten Falco-Silhouette. Sie besteht aus vier Metallseiten mit jeweils einer silbrigen und einer schwarzen Seite. Die Rolle des Kometen übernimmt ein massiver grüngrauer Serpentinit. Seine schillernden Farben lassen ihn fremd und exotisch erscheinen, auch wenn Plavčak ihn im Asamer Steinbruch fand, nicht weit von Gansbach entfernt. Die Wucht seines Aufpralls ist dem aufgerissenen Boden eingeschrieben. Doch die Falco-Skulptur steht unberührt und unbeschadet daneben, auf den Schuhspitzen balancierend. Ihre vier miteinander verschweißten Seiten sehen aus, als wären sie mit leichter Hand nur ineinandergesteckt worden. Falcos vier Arme sind weit ausgestreckt, die stilisierten Finger gespreizt. Plavčak hat den umarmenden, ausgreifenden Gestus der Popmusik eingefangen und in das Dorf Gansbach im Dunkelsteiner Wald gebracht, wo Falcos Vater Alois Hölzel aufgewachsen ist und bis heute lebt.

Heutigen Popstars gelingen solche Gesten – zwischen Umarmung und „Achtung, Achtung!“ jauchzend – kaum noch. Wir singen immer seltener gemeinsame Lieder, wir haben keine millionenfach verkauften Platten mehr im Schrank stehen, die uns mit ihren großformatigen Covers und eingelegten Texten wesentliche Informationen über die Stars und ihre Moden, Frisuren, Gefühle, Attitüden und Haltungen liefern. Weil wir heute von diesem Zustand wieder weiter entfernt sind, müssen wir das Gedenken an Falco mit den Kulturtechniken in Verbindung bringen, aus denen die Gestalt Falco hervorging. Das Verschwinden der Plattenindustrie hatte mehr zur Folge als nur den Wechsel von Vinyl zu CD, von Download zum Streamingdienst. PopmusikerInnen konnten über die Platte Identifikationsangebote machen und den Grad der Coolness, den Grad der Sexyness, den Grad der Interessantheit und des popkulturell revolutionären Potenzials anmelden. Hatte ein/eine KünstlerIn bei dieser Anmeldung Erfolg, dann schlug dieser/diese ein wie ein Komet, und der/die KünstlerIn war plötzlich selbst ein Stern am Himmel. Übergroßer Ruhm und ständige Bedrohung waren ein weiteres Kennzeichen dieser Ära der Popmusik. Deshalb ist es folgerichtig, dass es bei Plavčaks Kunstwerk nicht um Falcos Antlitz geht, nicht um seine Frisur oder den Faltenwurf seiner fantastisch geschnittenen Helmut-Lang-Anzüge – und auch nicht um seine persönlichen Probleme.

Die Skulpturen der großen österreichischen Komponisten beispielsweise – Strauß (Vater und Sohn), Mozart, Haydn – wurden selbstverständlich in naturalistischer Gestalt gefertigt, sodass man an ihnen erfahren konnte, wie die Männer hinter den Melodien eigentlich aussahen. Informationen über Falcos Gesichtszüge dagegen sind heute jederzeit abrufbar. Die Jugend, die sich auf dem Falco-Platz treffen wird, kann sich bei ausreichendem Mobilfunk im Internet informieren, wer Falco war und wie seine Musik klang. Dass dies stumm und nebeneinander geschieht, dass der Raum der Musik und der Jugend plötzlich so viel leiser geworden ist und dass Differenz und Distinktion, die in der großen Ära der Platten so wertvoll waren wie Gold, mittlerweile mit Misstrauen belegt werden, ist ein weiterer Unterschied, den wir nur zwanzig Jahre nach Falcos Tod eklatant bemerken.

Deshalb ist es ein Glück, dass Plavčaks vierarmiger und vier Meter großer Falco vor allem an die Kraft und Attitüde der großen Ära der Popmusik erinnert. Dass es darauf hinauslaufen würde, entdeckte Plavčak, als sie sich intensiv mit Falcos Körpersprache auseinandersetzte. Ihre Skizzenbücher, die sie bei einem Besuch in ihrer Wiener Atelierwohnung öffnete, sind voller Zeitungsausschnitte, die Falco mit ausgestreckten Armen und gespreizten Fingern zeigen. Er trägt einen Frack oder einen weißen Smoking, er sieht aus wie ein Magier. „Er nahm Standbilder ein“, sagt sie. Ihr war wichtig, „dass es eben kein schweres Trumm ist, das in Gansbach steht“. Sie habe an die Worte des amerikanischen Bildhauers Alexander Calder denken müssen, wonach gerade große Skulpturen Leichtigkeit benötigen.

Da Plavčak noch einen bunten Scheinwerfer dazugestellt hat, der der Szenerie einen Spot aufsetzt, spielen auch nachts Licht und Schatten mit der Skulptur, und sie umgibt eine mysteriöse, ins Lila getauchte Stimmung. In Gansbach spricht man schon von einem neuen Red-Light-District. Doch so lebt diese Figur, verändert sich im Wechsel der Tageszeiten wie ein launischer Popstar, und man kann nach Gansbach reisen, um sich bildlich in Falcos Schatten zu stellen. (Sara Khan)


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