anne schneider, geburt der venus
anne schneider, geburt der venus
anne schneider, geburt der venus
anne schneider, geburt der venus
 

anne schneider


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geburt der venus



Ausgehend von der ersten überlieferten skulpturalen, steinzeitlichen Form der Venus von Willendorf über jene der Aphrodite von Knidos des antiken Bildhauers Praxiteles bis zur gemalten, meerschaumgeborenen Venus von Sandro Botticelli des 15. Jahrhunderts, wird mit der Venusidee seit jeher eine Wunschvorstellung transportiert. Weder die urgeschichtlichen, überbordenden Leibesfüllen oder die begradigten Körper der Antike noch die Proportionen des Goldenen Schnitts der Renaissance, hatten in der Realität eine Entsprechung.

Anne Schneiders frischgeborene Venus entspricht nicht nur keinem Ideal, sie entzieht sich auch jeder Art von gewünschter Äußerlichkeit. Neugeboren, ohne Aufgaben und Attribute steht sie vor uns, noch nicht ausgeformt oder von Außen geformt, sondern gerade im Zustand der Umstülpung begriffen, bezogen auf den Raum – denn ist eine Geburt nichts anderes als das nach außen Drängen eines Körpers?
Ein "Urknäuel" aus gefärbtem Beton, das es zu entwirren gilt, ohne die Merkmale eines Frauenkörpers, zu dem es vielleicht finden wird. Noch sehen wir die Venus ungeprägt durch Gesellschaft und Umwelt, ein weiblicher Körper ohne festgelegtes Rollenbild und damit auch ein Ideal, das in der Realität keine Entsprechung finden kann. In Beton gegossen, verfügt Anne Schneiders Venus, wie auch ihre urzeitliche Vorgängerin, über eine starke Körperlichkeit. Bleibt dieses Material für gewöhnlich ohne zuordenbare menschliche Spuren, obwohl es uns heute täglich umgibt und wir es im wahrsten Sinne des Wortes bewohnen, erhält es durch Anne Schneiders Gestaltungsverfahren eben das: menschliche Spuren, Falten, Wölbungen und Narben und damit organischen Charakter. Gleichzeitig vermittelt sich aber auch die, oft anzutreffende menschliche Widersprüchlichkeit von Form und Inhalt bzw. Optik und Wesen. Anstelle eines weichen Kerns in rauer Schale treffen wir auf die vermeintlich weiche Oberfläche eines steinharten Materials.

Entstanden aus einer textilen Gussform verweisen deren Nähte als einzige Anzeichen auf den Raum den die Venus verlassen hat, um sich in ihrer neuen, alleinsichtigen Behausung weiteren Erfahrungen zu stellen. Schutzlos den Blicken der BetrachterInnen ausgesetzt einerseits, gut behütet durch die technologisch ausgereifte Glasarchitektur andererseits, beseelt sie, nachdem sie ihren organischen Innenraum verlassen hat, in den kommenden Monaten die Willendorfer Vitrine, gleich einem Brutkasten. Zwischen Transparenz und Stabilität bewegt sich ihre zünftige Entwicklung, womöglich am Beginn einer langen Ahnenreihe.
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