chiara minchio, high hills
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Für den Winter 2003 hatte die Kunsthalle Krems einen "Frauenschwerpunkt" initiiert, an dem sämtliche Institutionen der Stadt teilnahmen. Sie selbst zeigte die Ausstellung "Mimosen-Rosen-Herbstzeitlosen. Künstlerinnen-Positionen 1945 bis heute". Nachdem auch das Büro für Kunst im öffentlichen Raum der niederösterreichischen Kulturabteilung zur Teilnahme gebeten worden war gab es eine temporäre Ausstellung im öffentlichen Raum der Kunstmeile Krems in Auftrag. Das Projekt "high hills" entstand. Der Titel sollte für den Weg stehen, den man gehen muss, wenn man sich das Denken und auch einmal das Zweifeln erlauben will. Zunächst waren einige der zur Ausstellung eingeladenen KünstlerInnen wegen des Schwerpunktes verunsichert und befürchteten, danach mit dem Prädikat „feministisch“ oder "Quoten-KünstlerIn" dazustehen. Die Vorstellung von "Frauenkunst" zauberte bei vielen die amüsantesten Grimassen im Gesicht hervor. Einige blickten mich aber auch nur mit versteinerter Miene an. Eine Künstlerin merkte ironisch an: "Integration durch Isolation." Viele Gespräche folgten. Es galt klarzustellen, dass die Kategorie "Frauenkunst" kein Thema war. Schließlich nahmen alle eingeladenen KünstlerInnen an der Ausstellung teil. Dann musste natürlich noch die Hürde der Genehmigungen genommen werden, was im Fall von "high hills" ohne den guten Willen der Kremser Baudirektion, der Wasserstraßendirektion, des Liegenschaftsamtes, des Gefängnisses, einiger Privatleute und auch der Kunsthalle unmöglich gewesen wäre. Doch damit war die Akzeptanz des Publikums im öffentlichen Raum noch nicht gesichert. Hier, außerhalb des sicheren Schutzes des Museums, treffen unterschiedliche Interessen aufeinander, die letztendlich ihren gemeinsamen Nenner in gesellschaftlichen Belangen finden. Umso wichtiger schien es, themenbezogen zu arbeiten und einen Denkfreiraum für gesellschaftlich relevante, nicht nur ortsbezogene Fragen zu schaffen, an dem ein Publikum aktiv teilnehmen kann.
"high hills" versammelte KünstlerInnen, die sich vor dem Hintergrund des sich als Mensch verstehenden Individuums mit Humor und Subversion den menschlichen Schwächen stellen und sich durch ihr Interesse an gesellschaftlichen Fragestellungen auszeichnen. In diesem Sinn wurde die thematische Konzentration auf die Position und Disposition der Frauen in der Gesellschaft und die Geschlechtertrennung als eine Frage verstanden, die sich permanent als eine von vielen und in einer gleichzeitigen Verschränkung mit diesen stellt. So blieben die Frage nach der aktuellen Bedeutung des öffentlichen Raumes als Abbild gesellschaftlicher Strukturen und damit auch die Frage "Wie ist das Verhältnis des Individuums zur Gesellschaft?" immer mitgedacht.

Chiara Minchios Beitrag war eine zweiteilige Fotoarbeit, die als Karten versandt wurden und an mehreren Stellen getrennt auflagen. Sie hatte die Arbeit bereits im Jahr 2000 fertig gestellt und sie mir in ihrem Atelier in einem anderen Zusammenhang und zu einem Zeitpunkt, als die Zusammenstellung der Ausstellung eigentlich bereits abgeschlossen war, gezeigt. Es schien auf einmal klar, dass der Ausstellung ohne die Leichtigkeit dieser Fotoarbeit mit den Frauenschuhabsätzen etwas fehlen würde. Es lächelte aus ihr ein Blick heraus auf die zuweilen rührend albernen Anstrengungen der Menschen, die eigene Gedankenwelt zu einem allgemein gültigen Universum zu erklären. Dieser Blick ließ auch Herrn Freud nicht ohne ein Lächeln davonkommen, nach dessen Meinung die Frauen aus Penisneid Absätze tragen. So wie in ihren gemalten Bildern sind die Figuren der Künstlerin in den Fotoarbeiten Opfer und Täter in einem, ungeschlechtliche Fabelwesen, die ihre Last in den teilweise monsterhaft-absurden Deformationen verlieren. Und so ein komisches Monster versucht, auf einem Absatz Platz zu nehmen. Mit seinem nackten Hintern thront es ikonenhaft bildfüllend auf ihm. Dann balanciert sein Kopf auf diesem Absatz und öffnet den Raum für eine Geschichte von einer Person in einem Raum, der sich wiederum in einem größeren Raum befindet.
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