Liddy Scheffknecht, nine to five, (c)die Künstlerin
Liddy Scheffknecht, nine to five, (c)die Künstlerin
© Liddy Scheffknecht, nine to five, Foto: Joanna Pianka
© Liddy Scheffknecht, nine to five, Foto: Joanna Pianka
© Liddy Scheffknecht, nine to five, Foto: Joanna Pianka
© Liddy Scheffknecht, nine to five, Foto: Joanna Pianka
© Liddy Scheffknecht, nine to five, Foto: Joanna Pianka
© Liddy Scheffknecht, nine to five, Foto: Joanna Pianka
© Liddy Scheffknecht, nine to five, Foto: Joanna Pianka
© Liddy Scheffknecht, nine to five, Foto: Joanna Pianka
 

Liddy Scheffknecht


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nine to five



Ortsspezifisch, konzeptuell, poetisch
Der Kunstraum Weikendorf ist ein Raum für ortspezifische künstlerische Auseinandersetzungen. Die von der Jury ausgewählten Künstler*innen sind eingeladen, sich auf die Struktur des Raumes – der durch ein wandgroßes Fenster gänzlich einsichtig ist – einzulassen, aber auch, sich mit Aspekten des Ortes, der Umgebung, auseinanderzusetzen;
so auch Liddy Scheffknecht, die sich in ihrer künstlerischen Praxis mittels Zeichnungen, Objekten und Installationen, immer wieder des Beziehungsgeflechts von Zeit, Erdbewegung, Sonnenlicht und Schatten annimmt. Die unentwegte planetare Rotation übersetzt die Künstlerin in spielerische Kombinationen aus konzeptueller Auseinandersetzung und poetischer Zeichensprache.

Sonne, Schatten, Erdumdrehung
Nine to five ist ein geflügelter, heute mitunter etwas anachronistisch anmutender Begriff für den Arbeitsalltag. Für ihre Ausstellung unter diesem Titel transformiert Scheffknecht den Kunstraum in einen Zeit-Raum, in der die Dauer dieser acht Arbeitsstunden visualisiert ist. An den Wänden ist hierfür flächenfüllend eine Zeichnung reproduziert, die die Künstlerin zuvor mithilfe des Sonnenlichts und der Erdumdrehung realisierte.
Auf den ersten Blick wirkt die Zeichnung wie ein Liniengeflecht von ineinander verschobenen Ziffern auf blauem Grund, die offensichtlich einer schematischen Logik folgend auf der Fläche festgehalten wurden: neun, zehn, elf, zwölf, dreizehn, vierzehn, fünfzehn, sechszehn, siebzehn. Das wandernde Sonnenlicht gab die Linien vor. Es fiel durch Zahlenschablonen, die auf unterschiedlich ausgerichteten Fenstern fixiert waren, auf Papier und wurde dort von der Künstlerin in regelmäßigen Abständen markiert. Die Umrisse der Lichtformen wurden von der mit blauer Ölkreide grundierten Bildfläche abgetragen. Die daraus entstandene Struktur stellt gewissermaßen eine Verräumlichung von Zeit dar.

Die vielschichtige Poesie der Arbeit zeigt sich besonders schön anhand zweier Aspekte: Zum einen lässt sich die repetitive Handlung der Künstlerin im Herstellungsprozess der Zeichnung als ein subtiler Verweis auf den Arbeitsalltag mit seinen wiederkehrenden Abläufen lesen. Zum anderen zeigen aber die sich in der Form stetig verändernden Ziffern, dass Wiederholung hier nicht mit Stillstand gleichzusetzen ist, sondern eine unaufhaltsame Veränderung kennzeichnet, die allerdings erst über eine gewisse Zeitspanne ablesbar ist: ein Gedanke, der sich gleichermaßen auf die Bewegung der Sonne, die Entstehung dieser künstlerischen Arbeit wie unseren Alltag allgemein beziehen lässt. Im Raum hängende Objekte, die ebenfalls durch diesen Prozess entstanden sind, verstärken diesen Eindruck. Sie geben das Wort „now“ in seiner zeitlichen Formveränderung wieder und machen das Paradoxon der immer vorhandenen wie permanent vergehenden Gegenwart sichtbar.

Die Künstlerin bringt mit nine to five aber nicht nur den omnipräsenten Alltag zur Sprache. Sie greift auch ein weiteres, vor allem rurale Orte wie Weikendorf betreffendes Thema auf: das Pendeln und seine strukturellen Auswirkungen auf das Leben in den Gemeinden, die sich täglich in einer kontinuierlichen Bewegung leeren und wieder füllen. Der Kunstraum Weikendorf ist für die kommenden Monate vielleicht so etwas wie eine leise Erinnerung daran, dass wir alle Teil eines Zeit-Raum-Gefüges sind, den wir gestalten können.

Liddy Scheffknecht wurde für die aktuelle Ausstellung vom Juryteam in Weikendorf mit Ingrid Axmann, Robert Buchta, Kurt Felice, Robert Hanel, Brigitte Kasper‐Ager, Ulrike Kastan, Johannes Naimer, Katharina Neuner, Angelika Pozarek, Ernst Wagendristel und Anneliese Windisch ausgewählt und in der Umsetzung unterstützt.


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