© Nilbar Güreş, Atem, Wehrturm Perchtoldsdorf, 2021, Foto: Lisa Rastl
© Nilbar Güreş, Atem, Wehrturm Perchtoldsdorf, 2021, Foto: Lisa Rastl
© Nilbar Güreş, Atem, Wehrturm Perchtoldsdorf, 2021, Foto: Joanna Pianka
© Nilbar Güreş, Atem, Wehrturm Perchtoldsdorf, 2021, Foto: Joanna Pianka
© Nilbar Güreş, Atem, Wehrturm Perchtoldsdorf, 2021, Foto: Joanna Pianka
© Nilbar Güreş, Atem, Wehrturm Perchtoldsdorf, 2021, Foto: Joanna Pianka
 

nilbar güreş


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Perchtoldsdorf feiert dieses Jahr das 500-jährige Jubiläum des Wehrturms, eines mächtigen, 60 Meter hohen, spätmittelalterlichen Bauwerks im Zentrum der Stadtgemeinde. Heute ist der Turm Wahrzeichen und wichtiger Bedeutungsträger für die kommunale Identität. Über die Jahrhunderte hinweg wechselten seine Funktionen und Nutzungen: Wehrturm, Wachturm, Kirch- und Glockenturm sowie Stadt- und „Uhrturm“.

Gespür für kulturelle Tradition und kritischen Zeitgeist
Die Künstlerin Nilbar Güreş wurde eingeladen, anlässlich dieses Jubiläums ein temporäres Projekt für den markanten Bau zu konzipieren. Die in Istanbul geborene und dort sowie in Wien lebende Künstlerin ist bekannt für ihre poetische, tiefgründige und oft subtil humorvolle künstlerische Praxis, in der konventionelle Rollenzuschreibungen und tradierte Kulturformen konsequent aufgebrochen und neu gedacht werden.

Einem Turm Leben einhauchen
Aus drei Fenstern des Turms füllen sich Atem-Blasen aus Ballonseide in einer Größe von je mind. 4 Metern Durchmesser in regelmäßigen Abständen mit Luft und entleeren sich wieder – der Turm scheint zu atmen, als quasi lebendiger Teil dieser Gemeinschaft vor Ort. Die textilen Objekte in Form von überdimensionalen Airbags verbinden auf poetische Weise zwei zentrale Aspekte des Turms: Das Atmen basiert auf der animistischen Annahme von der Beseeltheit der Dinge. Diese Ur-Religion, deren Spuren sich auch in Güreş’ eigener kurdisch-alevitischen Kultur finden lassen, geht von einer in den Dingen existierenden, unsichtbaren Kraft aus, die intuitiv Brücken zu Gefühlen, Wünschen, zur Vergangenheit, zur eigenen Identität herstellen kann, also etwas Lebendiges oder Körperliches besitzt. Auf den Turm bezogen verdeutlicht sie mit der Atembewegung seine lebhafte Bedeutung für die Menschen und die Gemeinschaft um ihn herum.

Schutzmechanismen damals und heute
Der Airbag als formale Referenz bezieht sich auf eine weitere wichtige historische Funktion des Bauwerks, die des Schutzes, und rückt die Thematik von vergangenen und gegenwärtigen Gefahren und Verteidigungsmechanismen assoziativ in den Blick:
Wie haben sich das, wovor wir uns schützen, und die Art, wie wir uns schützen, über die Jahrhunderte hinweg verändert? Wie sich schützen und verteidigen, ohne dadurch wiederum andere zu gefährden? Auf die Gegenwart bezogen stehen zweifellos Atemmasken und Abstandhalten an vorderster Stelle dieser Maßnahmen. Und so verwendet die Künstlerin die Form von Airbags, um mit seiner Verbindung zu unserem Alltag einen Dialog über anhaltende oder sich wandelnde Zeichen von Leben, Schutz, Beständigkeit und vieles mehr zu initiieren.

Weitere Informationen zum Turm und seiner Geschichte


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