Für wen, warum und wie weiter? - Die Rolle von Kunst im Kontext urbaner Entwicklungen zwischen Freiraum und Abhängigkeit

11. März 2010
Kunstraum Niederösterreich

Konzept und Moderation:
Barbara Holub

In den letzten Jahren wurden in Europa Kunst und künstlerische Praktiken im urbanen Raum zunehmend von Regeneration-Prozessen geprägt und gezielt zur Image-Findung in neuen Stadtentwicklungsgebieten, zur Schaffung einer neuen Identität in Umstrukturierungsprozessen oder zur Problemlösung vorhandener (oft sozialer) Defizite herangezogen. Damit einhergehend fand eine immer stärkere Kategorisierung der KünstlerInnen und der jeweiligen künstlerischen Praxis statt, von internationalen "Blue-Chip-Artists" bis zu "community based practices".
Das Programm ist bekannt und immer austauschbarer: Eine Mischung aus kurzfristigen Events und Projekten, Vermittlungsprogrammen, guided tours auf verschiedenen Beteiligungslevels, begleitet von der Herausgabe von Medien wie Websites, Magazinen etc. Doch wohin mit den angeschobenen Kommunikationsprozessen, wenn die KünstlerInnen wieder weg sind? Dann müssen doch wieder Sozialarbeiter übernehmen und die ArchitektInnen, StadtplanerInnnen, und Developer gehen alle wieder ihrer gewohnten Wege.
Ist es erstrebenswert, Kunst wieder von den konkreten Wirkungshoffnungen der Stakeholder zu befreien? Sollten dann die KünstlerInnen, die im Rahmen von Stadtentwicklung funktionalisiert werden, nicht den anderen ExpertInnen gleichgestellt werden, d.h. den gesamten Prozess begleiten, anstatt punktuelle Aufgaben zu übernehmen? Wo liegen die Risiken aber auch die Vorteile, seine Arbeit dafür einzusetzen,
"to make the world a better place"? Wie kann Kunst ihr kritisches Potential entfalten, ohne dass dieses sofort vereinnahmt wird?

Barbara Holub lebt und arbeitet als Künstlerin in Wien am Schnittpunkt von Kunst, Architektur und Stadtentwicklung.
Architekturstudium an der Technischen Universität Stuttgart.
1999 Gründung von transparadiso mit Paul Rajakovics
2005 – 2007 Jurymitglied von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich
2006 – 2007 Präsidentin der Secession Wien
Session 1:
Welche Rolle kommt neu gegründeten Kunstinstitutionen in Bezug auf den urbanen Raum und regionale Entwicklungen zu? Welche Bedeutung hat Kunst bei der Entwicklung neuer Identitäten in den europäischen Grossstädten und Regionen "nach der Industrie"?

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Celine Condorelli arbeitet am Schnittpunkt von Kunst und Architektur, wobei sie unterschiedliche Herangehensweisen wie dieEntwicklung von Strukturen für "unterstützende" Hinterfragungen von Kommunalität und diskursiven Orten, – kombiniert. Die daraus entstehenden Projekte verbinden Politik, Utopie, Öffentlichkeit und weitere aktuelle Thematiken. Condorelli ist die Autorin von Support Structures bei Sternberg Press, 2009, sowie die Mitbegründerin von Eastside Projects, ein von KünstlerInnen geführter Ausstellungsraum in Birmingham. Zuletzt realisierte Ausstellungen sind Generosity is the new political im Wysing Arts Centre, Cambridge, And the columns held us up im Artists Space, New York City (2009), Park Nights, in der Serpentine Gallery (2008), Far-West, im Arnolfini (2008) sowie Hidden Curriculum, im CASCO, Utrecht (2007). Seit 2000 war sie Vortragende an mehreren Universitäten (London Metropolitan University und University of East London).

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Paul O'Neill ist Kurator, Künstler und Autor und lebt in Bristol. Derzeit ist er Great Western Research Alliance (GWR) Research Fellow von Commissioning Contemporary Art, Situations, an der University of the West of England. Zwischen 2003 und 2007 recherchierte er im Zuge seines Doktorats an der Middlesex University die Entwicklung zeitgenössischer kuratorischer Diskurse seit den 1980ern. Von 2001 und 2003 war er Kurator der London Print Studio Gallery. 1997 gründete er MultiplesX, eine Organisation, die Ausstellungen mit Künstlereditionen beauftragt und unterstützt und leitete diese bis 2006.
Paul O'Neill hat über 50 Ausstellungen in Galerien, Museen sowie anderen Institutionen und im öffentlichen Raum (co)kuratiert. Er arbeitet als Vortragender für dasKuratoren-Trainingsprogramm
am Goldsmiths College in London und am de Appel in Amsterdam. Er ist Herausgeber der Anthologie Curating Subjects, (Amsterdam & London, 2007) sowie der Mitherausgeber (zusammen mit Mick Wilson) von Curating and the Educational Turn (Amsterdam & London, 2010).
Vortrag Paul ONeill als PDF-Datei
Video Paul ONeil (36min)

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Jaroslav Andel ist der künstlerische Direktor von DOX, Zentrum für zeitgenössische Kunst in Prag. Er hat zahlreiche Ausstellungen zu moderner und zeitgenössischer Kunst realisiert, unter anderem Douglas Gordon: Blood, Sweat, Tears (2009) und Welcome to Capitalism! (2008). Von ihm erschienen Texte über Malerei, Film und Fotografie, sowie Design und Neue Medien. Unter anderem wurden von ihm die Bücher Avant-Garde Page Design 1900–1950 (New York 2002) The New Vision for the New Architecture (Zurich 2006); sowie Cinema All the Time: An Anthology of Czech Film Theory and Criticism 1908–1939 (Prague 2008) herausgegeben. Zur Zeit ist er einer der Kuratoren einer großen Ausstellung zur Kunst in Europa von 1945 bis zur Gegenwart , die 2012 in Berlin gezeigt wird.
Vortrag Jaroslav Andel als PDF-Datei



Session 2:
Wie können innovative, experimentellere urbanistische und künstlerische Praktiken Eingang in längerfristige Planungen finden und den von vorwiegend von Neoliberalismus dominierten Prozessen entgegenwirken? Wie kann die Lehre auf die aktuellen Herausforderungen reagieren und als Katalysator von Prozessen agieren?

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Mick Wilson ist Künstler, Autor und Lehrer und lebt in Dublin, Irland, wo er Direktor der Graduate School of Creative Arts and Media (www.gradcam.ie ) ist. Er organisierte kürzlich ein mehrtägiges Symposium zu Arts Research: Publics and Purposes (2010) zur Untersuchung von Ausbildungsprogrammen für kuratorische und künstlerische Praxis. Zuletzt realisierte Ausstellungen: Float, im SSP, New York (2007), Blackboxing, im Project Arts Centre, Dublin (2007); Coalesce: Happenstance, im Smart Project Space, Amsterdam (2009) sowie Reach Out and Touch Faith (with Isabel Nolan) in der Gallery For One, Dublin (2009). Zuletzt erschienene Publikationen: Four theses trying to change a debate (2009); Emergence, in Nought to Sixty, ICA, London (2009); Emancipatory Tools, Fools & Frauds, in Calypso: Artistic Learning Processes, Sala Rekalde, Bilbao (2008) sowie Autonomy, Agonism, and Activist Art: An Interview with Grant Kester, Art Journal, v.66: n.3. (2007).
Vortrag Mick Wilson als PDF-Datei

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Christine und Irene Hohenbüchler arbeiten seit 1990 als Künstlerpaar zusammen, wobei der Gedanke der "multiplen Autorenschaft" eine zentrale Rolle spielt. Dabei arbeiteten sie in den 1990iger Jahren vor allem mit gesellschaftlichen Randgruppen: Gefangenen, psychisch Kranken, Menschen mit vermehrten Bedürfnissen. Die Zusammenarbeit mit der Kunstwerkstatt in Lienz endete mit der Präsentation an der documenta X in Kassel 1997.
Neben diesen Gruppenarbeiten entstehen Arbeiten im historischen und gesellschaftspolitischen Kontext und partizipatorische Projekte, d. h. die Besucher oder die Benutzer werden vermehrt in Gestaltungsprozesse miteinbezogen. Situationen können sich verändern, wachsen, wuchern und verschwinden wieder. Hierzu ist der geschützte Handlungsraum der Ausstellungshalle ein geeigneter Ort sowie der halböffentliche Raum, wie z.B. der Therapiegarten in Schiltern (2007) oder die Psychosomatische Klinik in Eggenburg (2009).
Vortrag Christine und Irene Hohenbüchler als PDF-Datei


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Binna Choi wurde in Seoul geboren und und lebt und arbeitet in Amsterdam und Utrecht. ) iSeit 2008 ist sie Direktorin von CASCO. Zuletzt von ihr realisierte Projekte sind u. a. Alone Again: Althea Thauberger (solo exhibition, 2007); Concerning Knowledge Production (Vorträge, Diskussionsrunden und Publikation, 2006); Unevenly: Haegue Yang (Einzelausstellung, 2006); Report (Not Announcement): Transitional Report on the State of Mobility (Publikation, 2006); Allegoric Postcard Union (Publikation, 2005); Flyer Project: This is Not a Love Letter (Publikation und Ausstellung, 2004). Ihre wissenschaftliche Arbeit fokussiert auf die Un/Möglichkeit von Gemeinschaft, interkulturellem Austausch sowie alternativen Formen Sozialkritik und Empowerment.

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Paul Rajakovics ist freier Architekt und Urbanist und lehrt als Universitätsasssistent an der TU Wien. Seit den 1990er Jahren Arbeiten zwischen Architektur, Städtebau und urbanen 1:1 Interventionen. Vorträge, Workshops, Symposien und Publikationen zu den Themen Architektur, Stadtforschung, Urbanismus und urbane Strategien. 1999 Gründung von transparadiso mit Barbara Holub (Künstlerin): 2004, Rudolf-Schindler-Stipendium, MAK Center for Arts and Architecture, Los Angeles; 2007, Otto-Wagner-Städtebaupreis;
Paul Rajakovics studierte von 1986-1994 Architektur in Graz und dissertierte 2000 bei Jost Meuwissen zum Thema Kontextuelles Handeln in Architektur und Städtebau. Seit 2001 ist Paul Rajakovics Redaktionsmitglied bei dérive in Wien, wo er u.a.regelmäßig das Kunstinsert kuratiert.
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