Wohin verschwinden die Grenzen / Kam Mizí Hranice?
Katrin Hornek
The Park Ranger, Banff National Park, Rice Studio, 2012, Fotografie auf Dibond, Courtesy the artist
„The Park Ranger“ zeigt den zuständigen „Surveillance Manager“ und Wildtier-Biologen des Banff National Park, wie er im Fernsehstudio des Banff Centers posiert. Hornek inszeniert die Szene in Anlehnung an Caspar David Friedrichs berühmtes Gemälde „Der Mönch am Meer“. 200 Jahre später wird der Ausblick auf die unendliche Weite des Horizonts durch den „studio green screen“ ersetzt.
UPSTREAM, HD-Video, 28,5", 2014, Videostill, Fotografie auf Dibond, Courtesy the artist (Kamera, Schnitt, Konzept: Katrin Hornek. Ton, Komposition: Wilm Thoben.)
Der Colorado River spielt in der mythenumwobenen Eroberung des amerikanischen Westens eine große Rolle. Landwirtschaft, Trinkwasser­ und Elektrizitätsversorgung hängen im wüstenreichen Südwesten der Vereinigten Staaten bis heute stark vom Wasserregime des Colorado River ab. Mit dem Law of the River wurden 1922 die politischen Weichen für den Fluss gestellt. Durch dieses Gesetz wurden die Wassermengen zwischen den angrenzenden Bundesstaaten und Mexiko rationiert, und es wurde dadurch auch entschieden, welche Gebiete sich ökonomisch entwickeln können und welche Wüstenlandschaften bleiben. Als Hauptschaltzentrale des Flusses gilt der Hoover Dam. Flussaufwärts bildet der Grand Canyon das natürliche Denkmal des Flusses. Flussabwärts an den Ausläufen im Süden wird der Großteil des noch verbleibenden Colorado River über den All­American Canal als konstruierten Grenzfluss zwischen Mexiko und Amerika ins Imperial Valley – das riesige, künstlich bewässerte Getreideanbaugebiet Kaliforniens – umgeleitet. Durch die Übernutzung erreicht der Colorado seit den 1960ern kaum noch das Meer, sondern versiegt in den großindustriellen Feldern vor der mexikanischen Grenze.

Lukáš Houdek
The Art of Killing, Auswahl aus einer Serie von 25 Fotografien, Reenactings von Massakern an deutschen Zivilisten in Tschechien 1945, Kostüme von Jana Edrová, 2012
Die Arbeit „The Art of Killing“ („Die Kunst des Tötens“) besteht aus einer Serie von 25 SW­Fotografien, auf denen Massaker an deutschen Zivilisten in Tschechien im Jahr 1945 in modellhaften Szenen mit Puppen nachgestellt werden. „Besonders nach Kriegsende und vor dem Potsdamer Abkommen, das die Bedingungen der Zwangsumsiedlung der Deutschen aus den tschechischen Grenzgebieten regelte, wurden tausende Deutsche auf Grund einer angenommenen Kollektivschuld getötet – darunter auch Widerstandskämpfer gegen die Nazis, Ausländer oder Juden. Diese brutalen Taten wurden oft von den Mitgliedern der Revolutionären Garden begangen (manchmal abschätzig ‚Plündergarden‘ genannt); Einheiten, die nach dem Prager Aufstand aus Partisanen und Freiwilligen gebildet worden waren. […] Teile der Roten Armee und der wiedergegründeten tschechoslowakischen Armee verhielten sich zum Teil ähnlich. […] Später war es verboten, über diese Verbrechen zu sprechen.“

The Art of Settling, Auswahl aus einer Serie von 20 Fotografien, ergänzt mit maschinengeschriebenem Text, 2011–2013
„The Art of Settling“ („Die Kunst des Siedelns“) ist ein Folgeprojekt von „The Art of Killing“ („Die Kunst des Tötens“) aus dem Jahr 2012. Es stützt sich auf Archivmaterial aus einem Dossier namens Siedlungskomitee, das im Bezirksarchiv der Stadt Tachov aufbewahrt wird. Dieses Material stellt ein authentisches Bild der Anwerbekampagnen dar, die sich an zukünftige Siedler richteten. Es dokumentiert auch die späteren Lebensbedingungen der Siedlerfamilien in der öden Grenzregion.

Agnieszka Kalinowska
Welcome, Schriftzug aus korrodiertem Eisen, 2014, Courtesy the artist; Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder, Vienna and BWA Warszawa, Warsaw
Agnieszka Kalinowska hat für das Projekt eine neue Arbeit entwickelt. Das Wort WELCOME wurde dafür aus gealtertem, stark korrodiertem Metall geschnitten und auf ein Display montiert. Es ist zerstört, hat Löcher, und einige Buchstaben sind wegen der starken Zerstörung fast gar nicht mehr lesbar. Die Löcher könnten auch Einschusslöcher von Waffen sein. Während des Jahres seiner Präsenz wurde der Schriftzug durch Wind und Wetter noch stärker zerstört. „Jemanden an der Tür zu begrüßen ist heutzutage eher eine Angelegenheit der Diplomatie. Es geht eher darum, dass der Gastgeber den Strom der Gäste kontrolliert. Diejenigen, die glücklich im Frieden leben und denen es gut geht, empfangen die Flüchtlinge, die ein Obdach suchen, nicht mit offenen Armen. Stattdessen stellen sie an der Grenze Schilder mit dem Text ‚Willkommen‘ auf.“


© Woessner


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