Karawanen
Ines Doujak

Die Lage an der Donau macht das museumORTH zu einem für Doujaks neueste Arbeiten prädestinierten Ausstellungsort. Die Donau spielte eine zentrale Rolle bei der Besiedlung und politischen Entwicklung der zentral- und südosteuropäischen Staaten. Mit dem Titel Karawanen spiegelt Doujak die bewusst verharmlosende und romantisierende Bezeichnung der von China initiierten „Neuen Seidenstraße“. Mit diesem verklärten Bild hat die hochtechnologische, digital vernetzte und robotisierte „Neue Seidenstraße“ nichts gemein.

Das von Doujak entworfene Wappen der „Neuen Seidenstraße“ zeigt in einer provokativen visuellen Mischung einen Drachen, der einen Containerzug verschlingt, als Wappentier, eine Kamelkarawane, Seidenraupen, chinesische Exportschlager wie Hühnerhaxen, chinesische Pfingstrosen und einen betrunkenen Pandabären. Der alles verschlingende Drache symbolisiert die „Neue Seidenstraße“, die Karawane und die Seidenraupen verweisen auf ihren Ursprung in der historischen Seidenstraße, und die Pfingstrose spielt als Symbol für Reichtum und Glück eine bedeutende Rolle in der chinesischen Kultur. Das komplexeste Symbol des Wappens ist sicher der betrunkene Pandabär mit dem goldenen Krönchen: Kritiker von Staatschefs Xi Jinping haben ihn mit der Kinderbuchfigur Winnie Puuh, einem Bären „von sehr geringem Verstand“ verglichen – woraufhin sowohl der Name als auch Bilder des Bären, der nie genug Honig fressen kann, der chinesischen Internetzensur zum Opfer gefallen sind. Doujak hat den kleinen, dicken Bären „chinesisiert“ [1] und in einen berauschten Pandabären verwandelt.

Die beinahe raumfüllende Skulptur Skins im sogenannten „Turmzimmer“, eine „wirkmächtige Monsterblume“ [2] zeigt eine schwarze Figur, ein Ballonmännchen, das einen Teufel darstellt [3], der ein Bouquet mit verschiedenen psychedelischen Pflanzen wie Mohnblumen (Opium), Stechäpfeln, Engelstrompeten oder Yopo in Händen hält. Die Skulptur bezieht sich auf die Zeit der kolonialen Expansion, als einerseits ekstatische Bewusstseinszustände aus den europäischen Gesellschaften verbannt wurden und gleichzeitig der Handel mit Drogen zum Motor und Vorläufer des globalen Handels avancierte. Die Künstlerin spielt mit dieser Arbeit auf die Opiumkriege zwischen Großbritannien und China an: Mit der „Neuen Seidenstraße“ scheint China nun auf der globalen Überholspur.
(Bettina Spörr)

[1] In Anspielung an die Angst vor der „Chinesisierung des Abendlandes“, siehe https://deutsch.rt.com/19014/wirtschaft/chinesisierung-des-abendlandes-zwei-grosskonzerne-aus-dem-reich-der-mitte-wollen-potsdamer-platz-in-berlin-erwerben/ (zuletzt abgerufen am 11. 7. 2018).
[2] Hilde Fuchs, Kuratorin der Ausstellung, in einem E-Mail an die Autorin.
[3] Von Ines Doujak im persönlichen Gespräch als „Teufel“ bezeichnet.
© Woessner

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