© Ulrich Dertschei
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irena eden / stijn lernout


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ursa major 



In Petzenkirchen wird die Legende kultiviert, dass einst ein Ritter schwor, eine Kirche zu bauen, falls er die Begegnung mit einem Bären in einem nahe gelegenen Wald unbeschadet überstehen sollte. Der Ortsname geht jedoch wahrscheinlich auf den Gründer der Pfarre, Bischof Berengar[1], zurück, der 1014 den Ort zu einer Pfarre mit weitreichendem Einfluss machte. Mit der Installation „Ursa Major“ greifen Irena Eden und Stijn Lernout die Figur des Bären auf und schaffen mit ihr einen Identifikations- und Kommunikationsraum für die Gemeinde, indem sie das Sternbild des „Großen Bären“[2] mithilfe von 16 in Zusammenarbeit mit Lichtspezialisten aufwendig entwickelten Lichtstelen auf den neu gestalteten Hauptplatz projizieren. Sie stellen damit eine sichtbare Verbindung zwischen der kleinen Marktgemeinde in Niederösterreich und dem Makrokosmos her, ohne Pathos zu bemühen. Es ist vielmehr eine leichte Poesie, die dabei entsteht.

Die Installation aus vier bis sechs Meter hohen, unterschiedlich leicht geneigten Metallrohren erinnert an die Raumverstrebungen des Künstler_innenduos. Ab der Dämmerung werden Lichtkegel aus den abgewinkelten oberen Enden auf den Platz geworfen, die die einzelnen Eckpunkte des Sternenbilds markieren. Es ist ein kaltes, klar definiertes Licht, das der elektromagnetischen Strahlung der Ursa-Major-Gruppe entspricht, die als wichtige Orientierungshilfe am mitteleuropäischen Nachthimmel den Polarstern lokalisierbar macht.

Was am Tag aus der Distanz wie eine luftige Zeichnung im Raum aussieht, ist das Ergebnis genauster Berechnungen. Das Sternbild wurde zunächst auf ein Feld von 5 x 10 Metern übertragen, auf einem Raster entzerrt und darüber wiederum in die dritte Dimension hochgerechnet, in der die genauen Positionen der Leuchten festgelegt werden konnten. Über dieses Verfahren der Projektion und der Rückprojektion lässt sich der multiple methodische Ansatz von Eden und Lernout nachvollziehen. Die künstlerischen Antipoden der Abstraktion und der kommunikativen Praxis bilden in ihrer Arbeit die Eckpfeiler eines reflexiven Systems, in dem das Vermessen und das Übertragen immer eine Rolle spielen. In der Petzenkirchener Installation tritt diese Reflexivität in Form einer doppelten Projektion auf, die Methode und Thema der Arbeit zugleich ist.

Die Lichtstelen sind von Betonringen umschlossen, in denen Kräuter heranwachsen. An dreien sind strahlenförmig Sitzbänke angebracht, die nach den elementaren Sichtachsen des Platzes ausgerichtet sind. Wenn sich Irena Eden und Stijn Lernout in ihren Arbeiten fragen, wie Räume entstehen, dann ist für sie Raum ein geografischer und ein physischer wie selbstverständlich auch ein gesellschaftlicher Begriff. Dementsprechend verweisen sie mit ihrer Installation „Ursa Major“ nicht nur auf die Ursprungsgeschichte des Ortes, sondern öffnen wie in vielen ihrer Projekte einen Raum für Handlung in Form vom Kommunikationsmöglichkeiten: „Diese zu etablieren und den Platz dadurch mit und für Menschen zu beleben ist eine der Grundideen des Entwurfs.“
(Cornelia Offergeld)


[1] Der Name leitet sich aus dem Althochdeutschen (bero = „Bär“, ger = „Speer“) ab.
[2] Fachsprachlich Ursa Major: „Größere Bärin“
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