anna artaker, CONCEPTUS
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anna artaker, CONCEPTUS
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anna artaker


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CONCEPTUS



Die ca. 25.000 Jahre alte Figur der Venus von Willendorf wurde im Jahre 1908 ausgegraben, also in der Zeit der Industrialisierung, eines Modernisierungsschubs, infolge dessen die Räume mittels Schienennetzen miteinander verbunden wurden. Während der Grabungen entdeckte ein Arbeiter diese kleine Figur, eine nackte Frau mit lockiger Haarpracht oder einer Kopfbedeckung, mit dünnen Armen und vollen Brüsten: an staunte. Die realistische Darstellung der Figur deutete auf ein Vorbild hin. Das kleine Objekt ist eine Hinterlassenschaft unserer Vorfahren und in eine Zeit zu datieren, die für viele von uns unvorstellbar ist – eine Zeit, in der das Landschaftsbild in unseren Breitengraden von Steppe geprägt war und Wege zu Fuß bewandert wurden. Aufgrund von Erdschichten ist es möglich, das Alter der Figur zu bestimmen. Ihre Bedeutung und ihren Verwendungszweck kann man jedoch nur imaginieren. Und das haben auch viele getan. Schon allein die Bezeichnung der Figur als "Venus" verweist auf die dazugehörige Interpretation: Die 25.000 Jahre alte Figur wird zu ihrer viel jüngeren "Schwester", der antiken Venus, der römischen Göttin der Liebe, des erotischen Verlangens und der Schönheit, in Beziehung gesetzt. Andere Interpretationen besagen, dass die Figur als Talisman gedient habe bzw., wenn ein Zwilling verstarb, seine Anwesenheit ersetzen sollte.

Genau diese Mehrdeutigkeit, die Schwierigkeit einer eindeutigen Zuordnung, ist es, die Anna Artaker mit ihrer Arbeit CONCEPTUS ansprechen möchte. Der elf Zentimeter großen Venus-Replik wird das Modell eines viermonatigen Fötus im Größenverhältnis 1:1 gegenübergestellt. Anna Artaker sagt dazu: "Das hier verwendete Modell, wie es zur medizinischen Ausbildung verwendet wird, steht ebenso wie die Venus für die Fortpflanzung der menschlichen Spezies oder das (Über-)Leben der menschlichen Gattung, das sich über die Jahrtausende hindurch fortsetzt: von der Venus aus Willendorf bis zum Lehrmodell des Fötus." Die zwei Figuren befinden sich im Guckkasten eines Schattentheaters und werden von einer Lampe angestrahlt, sodass das Abbild, nämlich die Schatten, die die Figuren werfen, für den Besucher sichtbar sind. Die Perspektive von der anderen Seite des Kastens zeigt die Figuren in ihrer Anordnung. Das Artefakt der Venus von Willendorf wird hier in der Ausstellungsreihe immer wieder neu kontextualisiert. Solche Referenzen fehlten uns bisher.

Ähnlich wie beim Rorschach-Test, bei dem die Deutung des Abbildes als Methode verwendet wird, um etwas über die Persönlichkeit des Probanden zu erfahren, geht es Artaker in ihrer Arbeit um den Versuch einer Aussage über die Gesellschaft, in der sie lebt. Indem sie unseren Umgang mit Geschichte analysiert, verdeutlicht sie die Komplexität und Verwobenheit der Beziehungen zwischen dem Modell und der Abbildung. Auch eigene Mittel der Analyse und der Deutung werden hinterfragt. Das Begehren verführt uns immer wieder dazu, die Geschichte der Venus von Willendorf nachzuzeichnen, weil wir uns nach neuen Blickwinkeln auf ihre Zeit sehnen. Es ist diese Lücke der Unmöglichkeit einer Gewissheit, die uns dazu animiert, weiter zu denken, zu fantasieren und darüber zu diskutieren.
(Anamarija Batista)
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