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renate kordon


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eine jahreszeiten-sonnenuhr für schottwien



Einst war Schottwien ein wichtiger Durchgangsort auf dem Weg über die Alpen. Mit dem Bau der Semmering-Straße ist es ruhig geworden. Bedrohlich schwebt nun eine der größten Spannbetonbrücken der Welt über der Marktgemeinde und wirft ihren Schatten.
Renate Kordon nutzt diese Situation für ihr Kunstprojekt und bezieht die Faktoren Zeit, Licht und Schatten ein. Sie hat ein Maß für die Zeit gesucht, das nicht nach der kleinsten Einheit chronologischer Abfolgen sucht, sondern das natürliche Phänomen der Jahreszeiten aufgreift und gliedert. Sie setzt dem Chronos das Kairos, die Sonnenwende entgegen. Mittels Licht und Schatten hält sie genau diesen Moment fest und bannt ihn auf die Hauptstraße von Schottwien. Diese verläuft in Nord-Süd-Richtung und bildet mit der Autobahnbrücke Ziffernblatt und Zeiger einer überdimensionalen Sonnenuhr. Die exakten Abschnitte der jeweiligen Schattenzonen hat die Künstlerin über Jahre vor Ort beobachtet, vermessen und mit reflektierenden großen bunten Punkten markiert, die den Fluss des Lebens in Bewegung bringen, die der Schattenzone neue Kraft geben, die den Ort beleben.
Renate Kordon hat eine streng formale Lösung für eine topografisch markante Stelle entwickelt. Die schlichte Markierung nimmt Bezug auf ein hochkomplexes kosmisches Phänomen und setzt ein Zeichen, das die Einzigartigkeit dieses Platzes als "Ort unter der Brücke" visualisiert. Mit den farbigen Akzenten auf der Fahrbahn konnotiert die Künstlerin den Schatten neu und gibt Schottwien zusätzlich durch die angezeichneten Blickachsen am ehemaligen Pulverturm einen Hauch von Internationalität zurück.
(Christiane Krejs)