catrin bolt, schöne aussichten
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catrin bolt


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schöne aussichten



In den Projekten "Gemeinsame Sache" (1999) und "Gemischte Gefühle" (2001) ging es im Wesentlichen darum, Reinsberg, seiner Geschichte, Geschichten und Menschen durch einen längeren Aufenthalt näher zu kommen und in die Produktion und Präsentation einer ortsbezogenen künstlerischen Arbeit mit einzubeziehen. Mit "Schöne Aussichten" folgten 2004 Bearbeitungen der medialen Präsenz des Dorfes Reinsberg und dessen Veränderung durch mediale Rückspiegelung.
Reinsberg als niederösterreichische ländliche Gemeinde ist Ort moderner Architektur (Burgarena), Aufführungsort (Theater- und Opernproduktionen), Drehort, Eventort, Tourismus-, Mountainbike-, Beachvolleyball-, Biobauern- und nicht zuletzt Kunstort an der Eisenstraße geworden. An landläufig bekannten ländlichen Attributen wird dabei festgehalten: Häuser mit Blumenschmuck, Trachten, Brauchtum, Volksmusik und kirchliche Feste bilden die Oberfläche einer gut organisierten Gemeinschaft, die mit Handy, Internet, Kabel-TV, Wissen über EU-Förderkriterien etc. über die gleiche Menge an sinnvoller und sinnloser Information verfügt wie urbane Gemeinschaften.
In den Vorarbeiten zu "Schöne Aussichten" war dem "authentischen" Reinsberg nachzuspüren und die Produktion von "neuen" Images und Identitäten zu beleuchten, aber auch zukünftige Images, Identitäten und Mythen zu bilden. Video (in Offenheit zu Fotografie und Film) wurde gewählt, um ein verbindendes Medium einzuführen, das sowohl einen formalen Zugang als auch dokumentarische Methoden zulässt. Im Mittelpunkt standen partizipatorische Methoden, also die Einbeziehung der ReinsbergerInnen in die Produktion und Präsentation des Kunstprojektes.
Am 28. August 2004 fand die Präsentation im ehemaligen Kaufhaus Gruber, im Gemeindesaal, auf öffentlichen Plätzen und am Sportplatz mit mehreren Projektionen, einer Performance und einer Fotoarbeit statt. Die Videos waren danach in mehreren Gasthöfen und in der Burgarena zu sehen.

Catrin Bolt fuhr mit 37 KünstlerInnen mit einem Reisebus von Wien nach Reinsberg, wo sie sich zwei Stunden aufhielten, um vor Ort Video- und Tonaufnahmen, Fotos und Zeichnungen zu machen. Das entstandene Material hat Catrin Bolt für die Präsentation und Dokumentation verwendet. Mehrere Problemfelder werden in diesem Projekt zugespitzt: der schnelle touristische Blick, die oberflächliche Betrachtung und der Zufallsfund der kurzzeitig aus der Stadt Angereisten auf der einen Seite, die Rolle der Aufgaben erfüllenden und kontextgeschulten KünstlerInnen auf der anderen.
(Hubert Lobnig)
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