fatih aydogdu


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STAAT IM VERTRAG
das leben mit dem vorentwurf
ein beitrag zum jubiläumsjahr



Das Vertragszimmer
Statement:
"Die Neudefinierung und Aufwertung von kultureller Identität ist mit dem Prozess der Globalisierung untrennbar verbunden. Dennoch ist die existierende Weltordnung in ein System von Nationalstaaten gegliedert. Konnte sich früher politisches Philosophieren/Handeln auf den Staat als äußerste Klammer der sozialen Verhältnisse stützen, so scheinen es heute vielmehr die Systeme der Marktverhältnisse, der transnationalen Apparate der Kommunikation, der Beobachtung und des Kredits zu sein, die das 'Medium' und die 'Höhe' darstellen, an der sich jede Handlungsfähigkeit orientieren muss. Staaten haben sich selbst zu Vollstreckern des 'Imperativs der Verwertung des Wertes' gemacht. Dass die Entwicklung in Richtung globalisierter Lokalismus geht, wird dabei verdrängt und kommt nicht ins Bewusstsein.
Die von mir gewählten Ausgangsbilder zeigen das Zimmer, in dem der Staatsvertrag unterzeichnet wurde, aus zwei gesellschaftlichen Perspektiven. Ich habe sie wie zwei Szenen aus einem Film eingesetzt, sodass die beiden Schichten im erfreulichsten Moment aufeinander treffen. Das Gesprochene ist als Szenario dem Betrachter überlassen." (Fatih Aydogdu)
Dramatische Szenen bei Fatih Aydogdu. Fathi Aydogdu ist vor allem bekannt für seine kritischen Analysen der sprachlichen Konstruktion von nationaler Identität. "Der Knochen der Zunge (Dilin Kemigi)" hieß eine Ausstellung, die Aydogdu gemeinsam mit Sandra Droschl und Norbert Pfaffenbichler für die Diagonale 05 konzipierte. Der Titel verweist auf die türkische Redewendung "Die Zunge hat keinen Knochen" und ist eine polyseme Referenz auf die Redefreiheit (Dil = Zunge, Sprache).
In der Arbeit "Speech" nutzte er als Ausgangsmaterial eine Sprachkurs-Schallplatte aus den 70er Jahren mit dem Titel "Deutschpraktikum für Türken". "Der Druck zur sprachlichen Assimilation ist ein weiteres Merkmal der Ideologie, die mit dem Sprachkurs mittransportiert wird", sagt Fatih Aydogdu. Seine Arbeiten fordern dazu auf, kulturelle Selbstverständnisse, Vereinfachungen und Vereinnahmungen auf sprachlicher Ebene zu hinterfragen.
In seiner Arbeit "Das Vertragszimmer" lässt er uns mit zwei leeren Sprechblasen und einigen Strichcodebalken zurück. Das Reinigungspersonal ist sowohl vor als auch bei dem Akt der Unterzeichnung anwesend. Es handelt sich bei beiden Bildern um legendäre Fotos eines geschichtlichen Ereignisses. Es gibt Listen von Anwesenden. Die beiden Frauen sind darin nicht verzeichnet.
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