otto mittmannsgruber / martin strauß, blind spot
otto mittmannsgruber / martin strauß, blind spot
otto mittmannsgruber / martin strauß, blind spot
otto mittmannsgruber / martin strauß, blind spot
 

otto mittmannsgruber / martin strauß


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blind spot



Bei der umfangreichen Plakatkampagne "Blind Spot" wurden im Juni 2003 800 Plakate in ganz Niederösterreich affichiert. Im Gegensatz zu den meisten künstlerischen Plakatprojekten, bei denen Unikate oder nur sehr kleine Stückzahlen platziert werden, kann hier von einem tatsächlichen Einklinken der Kunst in dieses Massenmedium gesprochen werden. Für ein Werbeplakat stellen Kommunikationswissenschaftler heute eine durchschnittliche Rezeptionszeit von nicht einmal zwei Sekunden fest. Damit stellt sich den KünstlerInnen die Frage, ob sie sich dem scheinbaren Zwang zum Plakativen unterordnen wollen oder bietet diese Abrichtung des Mediums nicht vielmehr gerade der Kunst einen besonderen Freiraum sowie ein Feld neuer Bezugsmöglichkeiten abseits der Kunstinstitutionen? Ein wichtiger Abhebungspunkt ist, dass die Kunstplakate immer absenderlos sind, es muss kein Produkt beworben werden. Vor allem aber sind es die kommunikativen Strategien der Kunstplakate, auch wenn sie Formen des gewöhnlichen Grafik-Designs übernehmen sollten, die sie in Distanz zu ihrer Umgebung bringen. Meist bedienen sich die KünstlerInnen "minimalistischer" Strategien der Informationsverweigerung, die ein offenes Feld der Interpretierbarkeit bereitstellen.

Wie schon bei einigen anderen Plakatprojekten von Otto Mittmannsgruber und Martin Strauß, wurde auch bei dem Entwurf für die technische Struktur des Mediums – die Gliederung in einzelne Bogen – für das künstlerische Konzept nutzbar gemacht. Von einer typischen anonymen Wohnblockarchitektur wurden drei Bauelemente abfotografiert (Fenster, Fenster mit Jalousien, blankes Wandsegment), die als Bild-Module auf den Plakaten beliebig zueinander gesetzt und variiert werden konnten. Das gewöhnliche serielle Kleberaster bei Großplakaten tat dann das Übrige: Plakatflächen wurden in Fassadenflächen verwandelt. Die, so könnte man sagen, primitive Beschreibung von Architektur hat freilich ihre Analogie in der Primitivität der Vorlage: Sie bildet sie ab, sie wiederholt die krude Serialität, die unter dem Diktat der Ökonomie seit Jahrzehnten als effizienteste Methode das modulare Bauen von billigen Blockbauten und Massenquartieren beherrscht – die hässliche Seite der weltweit zunehmenden Urbanisierung. Die Gestalt jedes einzelnen Plakates war dem Zufall – bzw. der Willkür des Afficheurs, der die verschiedenen Bogen nach seinem Belieben aneinander reihen konnte – überlassen, keines glich ganz dem anderen. Diese Variabilität war völlig offen bis hin zu den Extremfällen: etwa einer Tafel, die nur aus den Teilen mit dem zugezogenen Fenster bestand. Allerdings stand dieser Offenheit die Blindheit des dargestellten Motivs gegenüber – maximale Varianz mündete in totale Redundanz. Von einem anderen Gesichtspunkt aus hatte die Sache einen weiteren Effekt: Die gewöhnlichen Werbeplakate und all die anderen kommerziellen Zeichen heften an der Architektur, sie perforieren die Baukörper Stück für Stück im Namen der konsumistischen Lebenshaltung. Das visuelle Loch, das der Kommerz in die heutige Realität der Architektur reißt, wurden hier sozusagen bildhaft gestopft. Von daher lieferten die Plakate auch einen ironischen Rückbezug zur illusionistischen Wandmalerei vergangener Zeiten – und Potjomkins Häuser hatten nun manchmal tatsächlich Bewohner.
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